IN VIA
Kath. Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit
Fachverband im Caritasverband in Südwestfalen e.V.

Kolpingstraße 62, 57462 Olpe

Tel. 02761 921-1712

h.fleischer@caritas-suedwestfalen.de

Ansprechpartner: Helena Fleischer

Leitung

Datum: 09.03.2026

Pressemitteilung

Zulassungsstopp für Integrationskurse bedroht Chancen und Strukturen im Kreis Olpe
Bundesweite Entscheidung hat konkrete Folgen – für Menschen, Familien und Arbeitsplätze

Kreis Olpe. Was auf Bundesebene wie eine administrative Entscheidung wirkt, um auf Kapazitäts- und Haushaltsfragen zu reagieren, trifft die Menschen im Kreis Olpe ganz konkret. „Der Zulassungsstopp für Integrationskurse durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat für unsere Region weitreichende Folgen – und diese gehen deutlich über Zahlen und Statistiken hinaus“, betont Helena Fleischer, Leitung von IN VIA Olpe. „Wenn ein Kurs aufgrund von zu wenig Teilnehmenden nicht mehr durchgeführt werden kann, bedeutet das für die Menschen mit Migrationshintergrund vor Ort einen enormen Rückschlag – und die Auswirkungen reichen weit über die Kurse hinaus.“
In den dezentral organisierten Integrationskursen von IN VIA, die in Attendorn, Lennestadt, Finnentrop und Kirchhundem angeboten werden, nahmen im vergangenen Jahr 20 Personen teil, die nun von dem Zulassungsstopp betroffen sind. „20 Personen – das entspricht einem vollständigen Kurs“, so Helena Fleischer.

20 Menschen, 20 Chancen – ein ganzer Kurs in Gefahr

Jede einzelne Teilnehmerin und jeder einzelne Teilnehmer ist für uns nicht nur eine Zahl, sondern eine ganz konkrete Lebensgeschichte“, erklärt auch Claudia Willeke, sozialpädagogische Begleitung der Integrationskurse von IN VIA Olpe. Hinter dieser Zahl stehen 20 individuelle Lebensgeschichten, 20 Chancen auf gesellschaftliche und berufliche Teilhabe.“
Gerade weil die Kurse von IN VIA wohnortnah und dezentral angeboten werden, sind stabile Teilnehmendenzahlen entscheidend. Fällt ein Kurs weg, gerät nicht nur ein einzelnes Angebot ins Wanken: Bereits geringe Rückgänge gefährden die Wirtschaftlichkeit und damit die Zukunft aller weiteren dezentralen Kurse im Kreis Olpe. Was über Jahre gewachsen ist, kann so innerhalb kurzer Zeit geschwächt werden oder gar ganz verloren gehen.

Integration hört nicht an der Tür des Kursraums auf

Zudem ist zu bedenken, dass Integration nicht an der Tür des Kursraums endet. Wenn ein Mensch Deutsch lernt, profitieren ganze Familien davon: Kinder in Schule und Kita, Partnerinnen und Partner im Alltag, im Kontakt mit Behörden, Ärzten und Arbeitgebern. Wird der Zugang zu Sprachkursen eingeschränkt, verlieren nicht nur Einzelne eine Chance – es geraten ganze Familiensysteme ins Hintertreffen.
Darüber hinaus trifft der Zulassungsstopp die Menschen, die sich tagtäglich für Integration einsetzen. Arbeitsplätze von Lehrkräften, Mitarbeitenden in Verwaltung und sozialpädagogischer Begleitung stehen auf dem Spiel. Fachkompetenz und gewachsene Strukturen, die über Jahre aufgebaut wurden, lassen sich nicht einfach pausieren und später unverändert wieder aktivieren.

Weckruf an Politik: „Sprache als Schlüssel zur Teilhabe“

„Mit der Veröffentlichung dieses Statements von uns, als einem der Träger für die Durchführung von Integrationskursen im Kreis Olpe, wollen wir verdeutlichen, dass integrationspolitische Entscheidungen nicht abstrakt bleiben dürfen. Sie haben konkrete Auswirkungen in unseren Städten und Gemeinden“, so Helena Fleischer. „Wir verstehen diesen Beitrag als Weckruf an die politischen Verantwortlichen, die Folgen des Zulassungsstopps realistisch zu bewerten und tragfähige Lösungen zu schaffen, die Integration vor Ort weiterhin ermöglichen.“ Auch der Kreis Olpe braucht verlässliche Rahmenbedingungen – für die Menschen, die hier neu ankommen, und für die Strukturen, die ihre Integration begleiten. Denn der Erwerb von Sprache ist das Herz einer erfolgreichen Integrationspolitik: Er ermöglicht Teilhabe an Gesellschaft und Arbeitsmarkt. Gleichzeitig verhindert der Zulassungsstopp Bleibeperspektiven und die Chancen auf eine erfolgreiche Berufsqualifizierung.

 

Bild: (Caritasverband in Südwestfalen)